Die Anfänge der reformatorischen Bewegung

58.

Luthers Verständnis des Evangeliums überzeugte eine wachsende Zahl von Priestern, Mönchen und Predigern. Sie versuchten, dieses Verständnis in ihren Predigten zum Ausdruck zu bringen. Zu den sichtbaren Zeichen der eintretenden Veränderungen gehörte, dass Laien die Kommunion unter beiden Gestalten empfingen oder dass viele Priester und Mönche heirateten; bestimmte Fastenregeln wurden nicht mehr beachtet, und zeitweise ging man respektlos mit Bildern und Reliquien um.

59.

Luther hatte nicht die Absicht, eine neue Kirche zu gründen; er war vielmehr Teil eines breiten und vielschichtigen Reformverlangens. Er spielte eine zunehmend aktive Rolle mit Beiträgen zur Reform von Praktiken und Lehren, die nach seinem Urteil allein auf menschlicher Autorität beruhten und in Spannung oder in Widerspruch zur Schrift zu stehen schienen. In seinem Traktat »An den christlichen Adel deutscher Nation« (1520) setzte sich Luther mit Argumenten für das Priestertum aller Getauften und daher für eine aktive Rolle der Laien bei der Kirchenreform ein. In der Tat spielten Laien eine wichtige Rolle in der reformatorischen Bewegung, sei es als Fürsten, Magistrate oder gewöhnliche Leute.