Die Verurteilung Martin Luthers

50.

Währenddessen ging in Rom das Verfahren gegen Luther weiter. Schließlich entschied sich Papst Leo X. zu handeln. Um seinem pastoralen Amt gerecht zu werden, fühlte sich Leo X. verpflichtet, den »orthodoxen Glauben« zu schützen gegen die, die »die Schrift verdrehen und verfälschen«, so dass sie nicht länger »das Evangelium Christi« ist.13 Darum erließ der Papst die Bulle Exsurge Domine (15. Juni 1520), die 41 Sätze, die aus verschiedenen Veröffentlichungen Luthers genommen waren, verdammte. Auch wenn sie sich alle in Luthers Schriften finden und korrekt zitiert sind, sind sie aus ihren jeweiligen Kontexten gerissen. Exsurge Domine nennt diese Sätze »häretisch oder anstößig oder falsch oder fromme Ohren verletzend oder einfache Gemüter verführend und der katholischen Wahrheit widerstrebend«14, wobei nicht gesagt wird, welche Qualifikation sich auf welchen Satz bezieht. Am Ende der Bulle drückte der Papst seine Frustration aus, dass Luther auf keine seiner Einladungen zur Diskussion geantwortet habe, auch wenn er die Hoffnung behielt, dass Luther eine Bekehrung des Herzens vollziehen und sich von seinen Irrtümern abkehren würde.
Papst Leo gab Luther 60 Tage Zeit, seine »Irrtümer« zu widerrufen; andernfalls würde er sich die Exkommunikation zuziehen.

51.

Eck und Aleander, die Exsurge Domine in Deutschland veröffentlichten, forderten dazu auf, Luthers Werke zu verbrennen. Als Antwort darauf verbrannten einige Wittenberger Theologen am 10. Dezember 1520 einige Bücher, die dem entsprachen, was man später kanonisches Recht nannte, zusammen mit einigen Büchern von Luthers Gegnern. Luther warf die päpstliche Bulle ins Feuer. Damit war klar, dass er nicht zum Widerruf bereit war. Mit der Bulle Decet Romanum Pontificem wurde Luther am 3. Januar 1521 exkommuniziert.

13 Leo X., Exsurge Domine, in: P. Fabisch/E. Iserloh (Hg.), Dokumente zur Causa Lutheri (1517–1521), 2. Teil (Corpus Catholicorum 42), Münster 1991, 366.370. Vgl. auch H. Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, hg. u. übersetzt v. P. Hünermann, Freiburg u. a. 40 2005
DH
1451–1492.

14 H. Denzinger, Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen, hg. u. übersetzt v. P. Hünermann, Freiburg u. a. 40 2005
DH
1492.