Die Bedeutung der ökumenischen Dialoge

32.

Die Dialogpartner sind den Lehren ihrer eigenen Kirchen verpflichtet, die nach ihrer Überzeugung die Wahrheit des Glaubens zum Ausdruck bringen. Diese Lehren weisen viele Gemeinsamkeiten auf, können aber in ihren Formulierungen unterschiedlich, zuweilen sogar gegensätzlich sein. Wegen des Ersteren ist Dialog möglich, wegen des Letzteren ist er nötig.

33.

Der Dialog zeigt, dass die Gesprächspartner unterschiedliche Sprachen sprechen und die Bedeutung von Worten unterschiedlich verstehen; sie machen unterschiedliche Unterscheidungen und haben unterschiedliche Denkformen. Was jedoch auf der Ebene des Ausdrucks als Gegensatz erscheint, ist in der Sache nicht immer ein Gegensatz. Um das genaue Verhältnis zwischen den betreffenden Lehrartikeln bestimmen zu können, müssen die Texte im Lichte der historischen Kontexte, in denen sie entstanden sind, interpretiert werden. Das erlaubt einem zu erkennen, wo tatsächlich ein Unterschied oder Gegensatz besteht und wo nicht.

34.

Ökumenischer Dialog bedeutet, sich von Denkmustern abzuwenden, die durch die Unterschiedlichkeit der Konfessionen entstanden sind und die deren Unterschiede betonen. Stattdessen blicken die Partner im Dialog zuerst auf das, was ihnen gemeinsam ist, und gewichten erst dann die Bedeutung der Unterschiede. Diese werden dabei nicht übersehen oder als unerheblich behandelt; denn der ökumenische Dialog ist die gemeinsame Suche nach der Wahrheit des christlichen Glaubens.