Spannender Dialog der Generationen zu den Chancen des Jahres 2017

„Das geschieht mir in der Ökumene auch nicht alle Tage, dass ich ein Podium vorstellen darf, dessen Teilnehmer alle jünger sind als ich selbst“, wunderte sich der selbst noch junge Oberkirchenrat Oliver Schuegraf zur Eröffnung der Tagung „1517-2017. Gemeinsam erinnern, voneinander lernen, miteinander weitergehen.“ im Kloster Himmelspforten. Tatsächlich war der an vielen Stellen immer wieder benannte Generationenwechsel in der Ökumene an diesen beiden Tagen in Würzburg spürbar. Ungewöhnliche Zugänge und Blickwinkel zu den Themenkreisen rund um das Reformationsgedenken prägten dann auch die Referate immer wieder.

So sprach sich Stefan Mokry dafür aus, den Versuch einer ökumenischen Geschichtsbetrachtung der Reformationszeit nicht zuletzt auch aus Sicht der Konfliktforschung zu reflektieren und deshalb deren Heilungschancen im Sinne eines  Healing of memories keineswegs zu unterschätzen.  Michelle Mu le Wong brachte durch die Darstellung der Lebenswirklichkeit ihrer Malaysischen Heimatkirche die globale Perspektive ins Spiel und fragte ganz unverblümt: „Wenn euch Rechtfertigung und Gnade so wichtig sind, wieso höre ich davon so selten in den Predigten in Deutschland?“.

Vielleicht am deutlichsten wurde die jüngere Perspektive der Referenten bei der Frage nach den Chancen und Herausforderungen des säkularen Kontextes des Reformationsgedenkens. Maria Hermann von der ökumenischen Bewegung  „Kirche hoch zwei“ erkannte sogar in der Reformation selbst „eine Achtsamkeitsbewegung“, die auf die zunehmende Entfremdung der Menschen vom Evangelium in ihrer Zeit reagiert habe. Eben eine solch achtsame Antwort auf die Zeichen unserer Zeit bedürften beide großen Kirchen heute dringend. Immer wieder wurde im Plenumsgespräch dann die Spannung deutlich, wenn von Teilnehmern  in ausführlicher Weise die Erfahrungen der Vergangenheit referiert wurden, die Impulse des Podiums aber oft unkommentiert blieben. Erstaunlich dynamisch und engagiert zeigte sich dann der Dialog in Kleingruppen; selbst theologisch komplexe Themen wie Amt, Eucharistie, Rechtfertigung sowie Schrift und Tradition fanden Zuspruch und wurden intensiv diskutiert.

Die geistliche Mitte der Tagung bildete der beeindruckende Impuls von Frère Alois, dem Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taize, der in der Frage gipfelte: „Wenn wir tatsächlich in der Taufe eine Familie geworden sind – und ich bin davon überzeugt – warum wohnen wir dann nicht unter einem Dach?“. Manches ergebe sich eben erst in dem Moment, wenn man sich nicht mehr aus dem Weg gehen könne und dann sei ein solcher Schritt unter ein gemeinsames Dach trotz mancher noch ungelöster Detailfragen der nächste notwendige Schritt der Ökumene.

Abgerundet wurde die Tagung durch die Impulse von Professor Uwe Swarat von der evangelisch-freikirchlichen Hochschule in Elstal, der für ein konsequentes Weitergehen in der Ökumene plädierte: „Die Ökumene zeigt sich als eine Aufgabe, die die Kraft und Konstanz von mehr als einer Generation benötige.“ Gerade im Kontext einer pluralen Gesellschaft seien die Christen zu einem gemeinsamen und entschiedenen Zeugnis aufgefordert. Solch langen Perspektiven gegenüber drückte Maria Hermann eine gewisse „Heilige Ungeduld“ aus, jetzt die Chance eines prophetischen missionarischen Zeugnisses nicht zu verpassen. Gerade das Jahr 2017 sei dafür eine hervorragende Chance.

Lesen Sie hier die Referate der Tagung: