Aktuelles

Gemeinsam für die Würde des Menschen eintreten

Neue lutherisch-katholische Studie zur Anthropologie veröffentlicht

Liebe Leserinnen und Leser,

die evangelisch-katholische Ökumene ist geprägt vom intensiven Gespräch über theologische Fragen. Seit 1976 führen die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) Lehrgespräche, um zur Klärung kontroverstheologischer Fragen beizutragen. Mit der Studie „Gott und die Würde des Menschen“ ist nun der Abschlussbericht der dritten Lehrgesprächsrunde veröffentlicht worden. Die Dritte Bilaterale Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Bischof Dr. Gerhard Feige (DBK) und Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke (VELKD) hatte sich in einem mehrjährigen Dialogprozess mit den Fragen von Anthropologie und ethischer Urteilsbildung beschäftigt.

Die nun vorgelegte Studie zeigt das gemeinsame Menschenverständnis beider Kirchen auf und will helfen, mögliche ethische Konflikte besser zu verstehen und mit ihnen sachgemäß umzugehen. Es wird gezeigt, dass trotz einzelner Differenzen in ethischen Fragen ein überzeugendes gemeinsames Eintreten der Kirchen für die Menschenwürde möglich ist. Wie bislang kein anderes Dokument der Konsensökumene hat daher „Gott und die Würde des Menschen“ den anthropologischen Konsens zwischen den beiden Kirchen herausgearbeitet. Dieser wird rechtfertigungstheologisch, schöpfungstheologisch, christologische und eschatologische entfaltet. In den theologischen und konfessionellen Traditionen und Begriffsbildungen gibt es eine Vielfalt an Methoden und Kategorien. Diese verhindert aber nicht „die Gewinnung gemeinsamer Standpunkte zur Gottesebenbildlichkeit, zur Christusförmigkeit, zur Rechtfertigung und zur Erlösung des Menschen; sie zeigt vielmehr, dass eine theologische Pluralität die Intensität der Reflexion erhöht, wenn die Voraussetzungen und Perspektiven der verschiedenen Ansätze transparent gemacht sind“ (§ 196).

„Wir sind in unserem langen und intensiven Gesprächsprozess zu dem Ergebnis gekommen, dass es eine grundlegende Übereinstimmung in der Anthropologie und eine breite Gemeinsamkeit in der Ethik gibt. Auch hier gilt: Uns eint mehr als uns trennt“, erklärt Bischof Feige, Vorsitzender der Ökumenekommission der DBK. „Die bestehenden Unterschiede werden in der Studie als ein begrenzter Dissens qualifiziert, der aber die fundamentalen Gemeinsamkeiten nicht aufhebt und nicht von der gemeinsamen Verantwortung zum Schutz der Menschenwürde entbindet.“

„Angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Debatten wollen wir auf der Grundlage des biblischen Zeugnisses die gemeinsamen anthropologischen Grundlagen des christlichen Glaubens stark machen“, betont der Catholica-Beauftragter der VELKD, Landesbischof Manzke. „Ich bin überzeugt, dass die Ausführungen unseres Abschlussberichtes unseren Kirchen neue Impulse geben können, gemeinsam für die Würde des Menschen einzutreten, wo immer sie in Frage gestellt oder gar mit Füßen getreten wird.“

Die Studie wird von der Arbeitsgruppe verantwortet und mit der Veröffentlichung den auftraggebenden Kirchen zur Prüfung vorgelegt. Die Kommissionsmitglieder hoffen, dass sie darüber hinaus zu einer breiten Diskussion in Kirche und Gesellschaft anregt. Sie ist am 6. März 2017 im Bonifatius-Verlag und der Evangelischen Verlagsanstalt erschienen und im Buchhandel erhältlich.

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Luther in Ostwestfalen

soweit wir wissen, war Luther nie in Ostwestfalen. Aber das heißt nicht, dass das Jahr 2017 dort spurlos vorbeigeht – ganz im Gegenteil. Vom 31.Oktober 2016 bis zum 12. November 2017 steht das Lutherbild im Mittelpunkt eine Sonderausstellung der Stiftung Kloster Dalheim. Unter dem Titel „Luther. 1917 bis heute“ lädt die Ausstellung ins LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ein, um dort den Wandel des Lutherbildes in den letzten 100 Jahren als Spiegel seiner Zeit wahrzunehmen.

Mit zahlreichen aussagekräftigen Exponaten wird deutlich, wie sehr sich das Lutherbild im 20. Jahrhundert gewandelt hat, und zwar nicht nur in den Kirchen, sondern auch in Politik und Gesellschaft. Immer wieder wurde und wird der Reformator so zur Projektionsfläche der eigenen Anliegen. Erscheint Luther im Kriegsjahr 1917 zur 400-Jahrfeier des Thesenanschlags als Nationalheld des Kaiserreichs, wird er im Nationalsozialismus als Protagonist der politischen Propaganda vereinnahmt. Vor allem seine antijüdischen Schriften wirken sich verhängnisvoll aus. Der Blick auf das geteilte Nachkriegsdeutschland zeigt zum einen die Haltung des SED-Regimes zwischen Ablehnung und Aneignung der Gestalt Luthers, aber ebenso die zunehmende positive Würdigung des Reformators in der Bundesrepublik Deutschland. Und auch in der Gegenwart ist Luther fast allgegenwärtig, nicht nur in Theologie und Kirche, sondern auch in Kultur und Gesellschaft. Neben der sachlichen Auseinandersetzung mit dem Reformator sowie den ökumenischen Verständigungen über seine Gestalt und Theologie wird Luther dabei auch gerne zur Begründung eigener Gedanken und Anliegen benutzt. Und die Vermarktung Luthers, die in der Ausstellung ebenfalls gezeigt wird, lässt heute, wie es heißt, „kaum Wünsche offen“.

Der Gang durch die Ausstellung wird so zum Gang durch 100 Jahr deutscher Geschichte und lädt dazu ein, sich auch persönlich mit der Gestalt und Wirkung Luthers auseinanderzusetzen. Ein Besuch in Ostwestfalen lohnt sich also!

Mehr zu der Ausstellung finden Sie [hier]

Kunstsammlungen der Veste Coburg als Dauerleihgabe der Oberfrankenstiftung Bayreuth © LWL

„An Christus hängen und den Blick auf ihn zu behalten, darauf sind alle angewiesen.“

Ökumenischer Gottesdienst in Magdeburg gefeiert

Eindrücklich durften die Gottesdienstteilnehmer am Ökumenischen Reformationsgottesdienst in Lund und die Fernsehzuschauer in aller Welt erleben, dass Lutheraner und Katholiken auf einem unumkehrbaren Weg von Konflikt zur Gemeinschaft sind. Nur wenige Tage danach wurde auch in Deutschland dieser Weg gottesdienstlich begangen. Am 4. November 2016 fand in der katholischen Kathedrale St. Sebastian in Magdeburg eine zentrale Feier des gemeinsamen Gottesdienstes in Deutschland statt. Geleitet wurde der ökumenische Gottesdienst von Bischof Dr. Gerhard Feige, Vorsitzender der Ökumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke, Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), und Landesbischöfin Ilse Jungermann (Magdeburg), Stellvertretende Leitende Bischöfin der VELKD. Die Feier fand im Rahmen der Generalsynode der VELKD und der Vollversammlung der Union Evangelischer Kirche statt.

In ihrer gemeinsamen Predigt legten Bischof Feige und Landesbischof Manzke Johannes 15,1-5 (Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben) anhand von drei Bildern aus. Mit Blick auf eine byzantinische Weinstock-Ikone hielten die beiden fest:  „Und die Freude, am Weinstock, der für Christus steht, zu wachsen und zu reifen und mit ihm verbunden zu sein, hat gleichzeitig zur Folge: Die Freude wird dadurch groß, dass auch andere dazu gehören. Wie traurig anzusehen wäre die Traube, die alleine am Weinstock wächst und reifen muss und durch ihr überzogenes Bewusstsein, als einzige Traube an dem Weinstock wirklich Platz haben zu dürfen, die anderen vermissen müsste.“ Unterschiede im Wachstum werden nicht aufgehoben. Zweige seien unterschiedlich, nicht alle Früchte gleich groß und schön anzusehen. Aber: „ An Christus hängen und den Blick auf ihn zu behalten, darauf sind alle angewiesen.“ Abschließend zeigten die beiden Prediger sehr persönlich auf, wie förderlich und heilsam es sein kann, sich gegenseitig im Lichte Jesu Christi zu betrachten. Beide erzählten beide, was sie an dem Anderen, also der katholischen bzw. lutherischen Kirche schätzen, weil man den Geist Gottes eindrucksvoll am Wirken sieht.

Neugierig geworden, was das wohl ist? Dann lesen Sie die Predigt im Wortlaut [hier].


Gottes Gabe der Einheit

Historisches Reformationsgedenken mit Papst Franziskus, LWB-Präsident Younan und Generalsekretär Junge

Lund (Schweden), 31. Oktober 2016 – Papst Franziskus, LWB-Präsident Bischof Dr. Munib A. Younan und LWB-Generalsekretär Pfarrer Dr. h.c. Martin Junge standen heute einer Gedenkveranstaltung vor, in deren Rahmen die katholische Kirche und der Lutherische Weltbund (LWB) ihre Entschlossenheit erklärt haben, sich vom Konflikt abzuwenden, den Weg zur Gemeinschaft zu beschreiten und ihr gemeinsames Zeugnis zu stärken. Erstmals gedachten bei diesem historischen Ereignis, das in Schweden stattfand, die katholische und die lutherische Tradition auf Weltebene gemeinsam eines Reformationsjubiläums.

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Von und miteinander lernen – Zwei theologische Symposien zum Reformationsjahr

Mit dem Studiendokument „Vom Konflikt zur Gemeinschaft“ haben lutherische und römisch-katholische Kirche festgehalten: „Katholiken und Lutheraner brauchen die Erfahrung, die Ermutigung und die Kritik des jeweils Anderen“ (Nr. 240). Zu dieser ökumenischen Offenheit gehört nicht nur, dass den ökumenischen Partnern die Motive und Einsichten der eigenen Konfession verständigungsoffen kommuniziert werden, sondern sie schließt auch ein Interesse an den Motiven und Einsichten der ökumenischen Partner ein. So ist das Reformationsjahr auch Anlass, eingespielte konfessionelle Selbst- und Fremdbilder wahr­zunehmen und auf den Prüfstand zu stellen.

Zwei akademische Tagungen wollen genau diesem Anliegen, den anderen offenen wahrzunehmen, Rechnung tragen:

Vom 28. November bis 1. Dezember 2016 laden die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands und die Evangelische Akademie Tutzing zu der Tagung „Reform im Katholizismus. Traditionstreue und Veränderung in der römisch-katholischen Theologie und Kirche“ ein. Diese evangelische Veranstaltung wird zunächst grundsätzlich der Frage nach­gehen, wie in der römisch-katholischen Kirche Kontinuität und Innovation austariert sind, welche Formen und Instanzen des Umgangs mit Diskontinuität sie entwickelt hat und wie sie Traditionstreue und Flexibilität miteinander zu verbinden versucht. Dies wird dann anhand ausgewählter Fallstudien illustriert.