Eucharistie

Katholische Anliegen im Blick auf die Eucharistie

149.

Auf katholischer Seite weckte Luthers Zurückweisung der Idee der Transsubstantiation Zweifel, ob die Lehre von der Realpräsenz Christi in seiner Theologie vollständig bewahrt worden war. Obgleich das Konzil von Trient zugab, dass wir die Art seiner Gegenwart mit Worten kaum ausdrücken können, und zwischen der Lehre der Wandlung der Elemente und ihrer begrifflichen Erläuterung unterschied, erklärte es: »Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung [transsubstantiatio] genannt«45. Dieses begriffliche Konzept schien in katholischer Sicht die beste Garantie dafür zu sein, die reale Gegenwart Jesu Christi in den Gestalten von Brot und Wein festzuhalten und die Gegenwart der ganzen Wirklichkeit Jesu Christi in jeder der Gestalten zu gewährleisten. Wenn Katholiken die Transformation der geschaffenen Elemente betonen, wollen sie Gottes schöpferische Macht hochhalten, die inmitten der alten Schöpfung eine neue Schöpfung hervorbringt.

150.

Auch wenn das Konzil von Trient die Praxis der Anbetung des gesegneten Sakraments verteidigte, ging es von der Kommunion der Gläubigen als dem ursprünglichen Zweck der Eucharistie aus. Die Eucharistie wurde von Christus eingesetzt, um als geistliche Nahrung verzehrt zu werden.46

151.

Weil ein integratives Konzept von Erinnerung (anamnesis) verloren gegangen war, fehlte den Katholiken eine geeignete Begrifflichkeit, um den Opfercharakter der Eucharistie angemessen auszudrücken. Einer Tradition verpflichtet, die bis in die Väterzeit zurückreicht, wollten Katholiken nicht die Bestimmung der Eucharistie als wahres Opfer aufgeben, auch wenn sie Mühe hatten, die Identität dieses eucharistischen Opfers mit dem einzigen Opfer Christi auszusagen. Erst die Erneuerung der sakramentalen und liturgischen Theologie, wie sie sich im Zweiten Vatikanischen Konzil artikulierte, konnte das Konzept der Erinnerung wieder fruchtbar machen ( Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium (LThK2, Erg.bd. I, 9–109)
SC
47; Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium (LThK2, Erg.bd. I, 137–347.348–359)
LG
3 ).

152.

Lutheranern und Katholiken sind in ihrem ökumenischen Dialog Einsichten der liturgischen Bewegung wie auch neue theologische Erkenntnisse zugute gekommen. Durch die Wiedergewinnung des Begriffs der anamnesis sind beide zu einem besseren Verständnis dessen gelangt, wie das Sakrament der Eucharistie als Gedenken die Heilsereignisse und insbesondere das Opfer Christi wirksam gegenwärtig macht. Katholiken konnten die vielen Formen der Gegenwart Christi in der Liturgie der Eucharistie würdigen, etwa die Gegenwart in seinem Wort und in der Gemeinde ( Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium (LThK2, Erg.bd. I, 9–109)
SC
7 ). Angesichts der Unaussprechlichkeit des eucharistischen Geheimnisses haben Katholiken neu gelernt, die verschiedenen Formen des Glaubens an die reale Gegenwart Jesu Christi im Sakrament zu schätzen. Lutheraner gewannen ein neues Bewusstsein für die Gründe, mit den gesegneten Elementen nach der Feier respektvoll umzugehen.